Liebes Publikum, endlich ist es wieder soweit: Der Frühling steht vor der Tür und mit ihm auch das 32. Queergestreift Filmfestival im Zebra-Kino!

Wir freuen uns, Euch ein vielfältiges, abwechslungsreiches und herausforderndes Programm präsentieren zu können. Soviel vorab: es ist so queer wie noch nie!

Im Anschluss an die Eröffnungsfilme CAN YOU EVER FORGIVE ME und STUDIO 54 geht es am 15.03., beschwipst von einem Gläschen Sekt, ab auf die Tanzfläche im Kula, wo das Queer Party-Team euch ordentlich einheizen wird.

Das Festivalprogramm 2019 besteht aus zahlreichen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen, abgerundet von einem hochkarätigen Rahmenprogramm à la carte: Neben zahlreichen Filmgesprächen und Diskussionsrunden mit Regisseur*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen, gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal auch drei Lesungen: Bestsellerautor Julian Mars liest aus seinem Roman LASS UNS VON HIER VERSCHWINDEN, Aktivist*in Sascha Rijkeboer stellt autobiographische Texte vor, die sich mit Fragen zu Sinn, Sein und Sollen beschäftigen, und in der Veranstaltung zum brandneuen Theaterstück RUSSIAN BOY von Dmitri Sokolov geht es um die Lebensrealitäten schwuler junger Männer in Russland.

Auch thematisch tut sich dieses Jahr einiges: 2019 jähren sich die so genannten Stonewall Riots zum 50. Mal. Die teilweise gewalttätigen Aufstände entstanden aus Konfrontationen zwischen Polizei und Aktivist*innen vor dem Stonewall Inn, einer bekannten New Yorker Schwulenbar, und schrieben Geschichte in der Gay-Rights-Bewegung. Das Programm gibt Einblicke in die Anfänge der weltweiten Kämpfe um Anerkennung nicht-heteronormativer Lebenskonzepte. Mit RIOT, MAPPLETHORPE, STUDIO 54, 1985 und DYKES, CAMERA, ACTION! tauchen wir direkt ein in die Zeit während und kurz nach dem New Yorker Uprising. Die Filme zeigen prägende Persönlichkeiten und zentrale Themen der queeren Kämpfe der 70er und 80er Jahre, die bis heute nachwirken. Einen Blick noch weiter zurück ermöglicht der Stummfilm-Klassiker ANDERS ALS DIE ANDREN von 1919. 100 Jahre nach dem ersten Film über Homosexualität, der zum Ende der Weimarer Republik schließlich verboten wurde, wird deutlich, was diese Kämpfe bewirkt haben.
Auch heute noch – 50 Jahre nach Stonewall – führen Menschen vor und hinter der Kamera Kämpfe aus, schaffen durch ihr Handeln oder die Präsenz ihrer Körper Sichtbarkeiten, fordern die Anerkennung verschiedener Lebens- und Liebesentwürfe, hinterfragen kulturelle Normen und verschieben die Grenzen des ‚bisher als möglich Erachteten‘. Die ausgewählten Filme verweisen sowohl auf die vermeintlich ‚kleinen‘ alltäglichen Kämpfe, als auch auf die großen Bewegungen, die auf gesellschaftliche Umbrüche abzielen.

THE MISEDUCATION OF CAMERON POST ist neben Boy Erased, den wir bereits als Queerstreifen im Februar zeigten, das zweite US-amerikanische Coming-of-Age-Drama in diesem Jahr, das die Folgen christlicher Konversionstherapien thematisiert. In Deutschland ist es nicht zuletzt dem Engagement von Aktivist*innen und Überlebenden dieser „Therapien“ zu verdanken, dass die Debatte um ein Verbot solcher Praktiken seit diesem Jahr zunehmend öffentlich geführt wird. ANCHOR AND HOPE porträtiert dagegen ein wesentlich liberaleres Umfeld, in dem es nicht mehr um das Erkämpfen von Rechten, sondern um die Dynamiken und Konflikte innerhalb einer neu gegründeten Regenbogenfamilie geht. Die Dramen GRETA und DIE ERBINNEN bringen eine weitere Perspektive in das Programm: Queersein im Alter. Neben Leben und Lieben widmen sich z.B. GENDERBENDE und OBSCURO BARROCO dem Thema Körperlichkeit: Es geht um Körper, die sich dem normativen Zugriff verwehren, aber auch um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper.

Nach den Erfolgen des letzten Jahres sind auch 2019 wieder ein erotischer Kurzfilmblock (diesmal mit Live-Besuch aus Berlin), und mit THE WILD BOYS und LUFT Kooperationen mit dem SHIVERS- und Zebrastreifen-Team mit im Programm. Am 24.03. öffnen wir die Kinotüren schon am Vormittag für eine Matinée mit gemütlichem (Kater-)Frühstück.

Dass das diesjährige Festivalthema „Kämpfe“ in der Gegenwart noch mehr als aktuell ist, zeigt auch der Abschlussfilm RAFIKI, der in seinem Heimatland Kenia der Zensur zum Opfer fiel und schließlich nach einer erfolgreichen Klage wieder im Kino zu sehen ist.

Und weil‘s so schön ist, setzen wir in diesem Jahr noch einen drauf: Am 27.03. steigt die allererste offizielle Festival Closing Party in der Kantine, in Kooperation mit dem queerfeministischen DJ*ane-Kollektiv ALWAYS ULTRA! Bäm! Für beide Partys gibt es Kino-Kombi-Tickets mit dem Film jeweils direkt vor Partybeginn.

Ein herzliches Dankeschön geht an alle Unterstützer*innen und Sponsor*innen! Insbesondere Meckatzer, Reisebüro DER – Rominger, Randegger, Burro Burro, der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, der Filmcommission Bodensee, sowie unseren treuen Partner*Innen von Belladonna Konstanz, Frauenbadminton Kreuzlingen-Konstanz, GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Konstanz, Queer Lake, Uni Konstanz – Referat für Gleichstellung, Familienförderung und Diversity, Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung – Gleichstellung und Diversity und NDC – Netzwerk für Demokratie und Courage Konstanz.

Queergestreift ist so vielseitig wie das Leben selbst. Und dafür kämpfen wir.

Euer Queergestreift-Team 2019