Small Talk

Taiwanesische Originalversion mit englischen Untertiteln
Mittwoch, 18. April 2018, 18:30 Uhr

Der Esstisch ist ein zentrales Möbelstück in jedem Haushalt. Hier trifft man sich, kommt miteinander ins Gespräch, diskutiert und lacht. Nicht so im taiwanesischen Dokumentarfilm SMALL TALK: Hier markiert der Holztisch zwar auch einen wichtigen Ort der Kommunikation, steht aber für Schweigen, Verdrängung, Beklemmung und heftige Ausbrüche von Emotionen. Auf dem Stuhl rechts sitzt Hui-chen Huang, die Regisseurin und gleichzeitig eine der Protagonistinnen des Films, links ihre Mutter Anu. Kein Augenkontakt. Stille. Und dann bricht es aus den beiden ungleichen und doch so ähnlichen Frauen heraus: Geheimisse, Gewalt, Trauer, Versöhnung.

SMALL TALK erzählt die Geschichte der lesbischen Anu aus der Perspektive ihrer Tochter Hui-chen, die nun selbst Mutter ist. Die Familiengeschichte ist hier der rote Faden, der sich auf eindrückliche Weise durch den Film zieht und immer mehr Details enthüllt. Immer schmerzvoller werden die Gespräche, immer tiefer bekommen wir Einblick in die Gefühlswelten beider Frauen und erforschen die Ursachen der konfliktbehafteten Mutter-Tochter Beziehung. Entstanden ist ein packendes und intimes Porträt der Mutter, das spannende Einblicke in die taiwanesische(n) Kultur(en) ermöglicht und die weibliche Homosexualität in der taiwanesischen Gesellschaft thematisiert. Anu wird als starke Frau gezeigt, die sich trotz aller Tiefen, Rückschläge und Probleme ihre Unabhängigkeit und die Lust am Leben nicht nehmen lässt.

Der Doku-Geheimtipp des diesjährigen Queergestreift Filmfestivals wurde 2017 auf der Berlinale mit dem Teddy Award in der Kategorie Best Documentary/Essay Film ausgezeichnet.

Tim Julijan Holzner

TWN 2016
88 Min.

REGIE:
Hui-Chen Huang

PRODUKTION:
Diana Chiawen Lee

MUSIK:
Lim Giong
Point

KAMERA:
Che Lin

KONTAKT:
Hui-Chen Huang

Hui-chen Huang

Hui-chen Huang

Hui-chen Huang (geboren 1978 in Taiwan) unterstützte bereits als Sechsjährige ihre Mutter bei ihrer Tätigkeit als taoistische Priesterin bei Begräbnisritualen. Nach der dritten Klasse verließ sie die Schule, um der Alleinerziehenden bei der Versorgung der Familie zu helfen. Lesen und Schreiben lernte sie durch Comics und Fernsehen. Mit 20 war ihr politisches Interesse geweckt. Sie engagierte sich bei Arbeiterorganisationen und Gewerkschaften und begann, Dokumentarfilme zu drehen. Ihre Kurzfilme, die sich mit den Nöten der heimischen und migrantischen Arbeiter in Taiwan beschäftigen, wurden auf internationalen Festivals gezeigt.

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