In dem queeren Filmklassiker der 2000er Jahre wird das selten filmisch behandelte Thema der Intersexualität in den Fokus gerückt.

Intersexuelle Menschen haben auch heute noch mit Vorurteilen und Unverständnis zu kämpfen. Die Dominanz und Allgegenwärtigkeit binärer Geschlechterkategorien fordert von ihnen ein ständiges Sich-Entscheiden-Müssen und manifestiert die Existenz eines ‚Dazwischens‘ als nicht gültige, oft sogar als nicht existierende Möglichkeit. Der Kampf um Anerkennung wird auf vielen Fronten ausgetragen. Die Einführung von neuen Geschlechterbezeichnungen auf Ausweisdokumenten sowie geschlechtsneutraler Toiletten sind scheinbar nur kleine Aspekte, die aber im Alltag intersexueller Menschen einen großen Unterschied machen. An diesen Vorstößen entzündet sich zunehmend der Zorn konservativer, rechter und religiöser Kreise. Auch von der Mehrheitsgesellschaft wird Intersexualität nicht als normal anerkannt. So werden z.B. in Deutschland Kinder, die mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren werden, mehrheitlich nach der Geburt einer geschlechtsanpassenden Operation unterzogen. Und das, obwohl sie vollkommen gesund sind und Fachleute von solchen Eingriffen aufgrund hoher Risiken für körperliche sowie psychische Schädigungen abraten. Damit wird im Namen der herrschenden Geschlechternormen ganz bewusst ein Verstoß gegen die Menschenrechte in Kauf genommen.

Lucía Puenzo behandelt das Thema in ihrem Drama auf eine sensible Art und Weise am Beispiel von Hauptfigur Alex (Ines Efron). Als Mädchen großgezogen, hat die 15-jährige die Hormonbehandlung aufgegeben. Zusammen mit ihren Eltern lebt sie in einem Haus an der Küste Uruguays, abgeschieden von jeglicher Zivilisation. Als ein befreundetes Paar gemeinsam mit ihrem Sohn Alvaro (Martin Piroyanski) zu Besuch kommt, entsteht zwischen den beiden Teenagern schnell eine starke Anziehung. Gemeinsam begeben Alex und Alvaro sich auf die Suche nach der eigenen (sexuellen) Identität, welche von zahlreichen Konflikten überschattet wird.

(Rezension von Tim Julijan Holzner)

 

 

ARG/FRA/ESP 2007; 91 Min.; R.: Lucía Puenzo; mit: Inés Efron, Martín Piroyansky, Ricardo Darín u.a.

Spanische Originalversion mit deutschen Untertiteln

FSK 12

Spieltermine: Sa., 01.04.17, 17:45 Uhr

Karten können hier via Formular reserviert werden.

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