The Wound erzählt die Geschichte von Kwanda (Niza Jay Ncoyini), Vija (Bongile Mantsai) und Xolani (Nakhane Touré), drei südafrikanischen Männern, die das Übergangsritual der Xhosa, Ulwaluko, an denselben Ort führt. Der Film fokussiert vor allem die Zwischenphase: das alltägliche Leben der Initianten, die abgetrennt von ihrem üblichen Umfeld in einem abgelegenen Berglager auf das Leben als Mann vorbereitet werden. Damit legt der Film nahe, dass der operative Eingriff, die Beschneidung, lediglich ein Element in einem umfangreicheren Prozess des Mannwerdens darstellt. In diesem wird eine spezifische – an heteronormativen Werten orientierte – Männlichkeit betont, die jedoch von den Initianten, wie von den Älteren herausgefordert und hinterfragt wird. Entsprechend zeigt der Film auf, dass Maskulinität schon immer nur im Plural existiert hat und thematisiert das Aufeinanderprallen verschiedener Maskulinitäten.

Wie der Regisseur John Trengove in einem Interview erläutert, habe ihn und seine Co-Autoren Thando Mgqolozana and Malusi Bengu vor allem die Auseinandersetzung mit der recht weit verbreiteten Vorstellung, dass die Initiation Homosexualität ein Ende setze, zum Schreiben des Drehbuchs motiviert. Während Homosexualität bei Heranwachsenden akzeptiert werde, so Trengove, werde es bei erwachsenen Männern hingegen oftmals als kindische Neigung betrachtet, die es hinter sich zu lassen gilt. In Südafrika sorgte bereits der Trailer für Aufsehen. Es ist nicht nur das queere Narrativ, das dem Film Kritik eingebracht hat. Ein Großteil der südafrikanischen Xhosa-Community ist der Ansicht, dass es keine detaillierten Berichte des Rituals geben sollte. Daher erachten Viele allein die filmische Repräsentation dieses sakralen Prozesses als Übergriff.

(Rezension von Franziska Duarte dos Santos)

Trengoves Spielfilmdebüt hat auf der Berlinale 2017 die Sektion Panorama eröffnet. Wir freuen uns, The Wound als Abschlussfilm zu präsentieren.

 

 

RSA/DEU/NDL/FRA 2016; 88 Min.; R.: John Trengove; mit: Nakhane Touré, Bongile Mantsai, Niza Jay Ncoyini u.a.

Mehrsprachige Originalversion mit deutschen Untertiteln

Spieltermine: Mi., 05.04.17, 21:15 Uhr

Karten können hier via Formular reserviert werden.

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