Priscilla ist wohl der farbenfrohste Queerfilm aller Zeiten. Drei Drag-Künstler*innen fahren aus ihrer heimischen Schwulenszene Sydneys für einen Auftritt quer durch Australien. Mit ihrem sektgetauften Bus Priscilla (womit geklärt ist, wer hier die eigentliche Queen of the desert ist) fahren sie durch das australische Hinterland, schneidern mit Tüll umhüllte Kostüme, die sicher nicht unabsichtlich häufig den Tieren und Blumen im Outback ähneln. Um den Roadtrip zu versüßen herrscht harscher Tuntenhumor (unser Tipp für den nächsten Streit: „Ist es eigentlich wahr, dass der Arzt bei deiner Geburt sich umdrehte und deine Mutter geschlagen hat?“) – aber auch einfühlsame Szenen, in denen die Drei mal auf ein feindseliges, mal ein überraschend aufgeschlossenes Umfeld treffen. Die drei in ihren Kostümen (das Kleid aus billigen Flip Flop-Tretern muss später jahrelange Laufstegkollektionen aus recyceltem Müll inspiriert haben) begegnen derben Hinterwäldlern, begeisterten Aborigines und dem Mann für vielleicht ein Leben. Die transsexuelle Bernadette, der früher mal heterosexuell verheiratete Tick/Mitzi und die Jungsschwuppe Adam/Felicia präsentieren drei Formen schwuler Männlichkeit und transsexueller Weiblichkeit, ohne sich in eine offensichtliche Generationenreihenfolge der immer weiteren Emanzipation aufzulösen. Dass nach dem überraschenden Erfolg des Films der schwedische ABBA-Fanclub zum Boykott der Komödie aufrief, weil die Vierkopf-Band auf eine „demütigende“ Weise herabgesetzt werde, zeigt dass der Film doch weit komplexer ist als manche schwule Feelgood-Komödie. Auch der Versuch Hollywoods, mit der amerikanischen Kopie To Wong Foo den Esprit von Priscilla zu klauen, musste an der ganz eigenen Ästhetik des Films scheitern – und nichts drückt diese Ästhetik mehr aus als eine Drag-Queen in einem pompösen High-Heel auf einem Bus durch die Wüste, die zu Operngesang Playback singt und deren silberne Schleppe im Wind weht. Ein Film mehr als ein Rückblick in die 90iger!

(Rezension von Martin Schneider)

Bereits zum 30. Mal findet das LGBTIQ* Filmfestival im Zebra Kino statt und ist damit älter als viele von euch tanzwütigen Mäuschen! Das wollen wir groß mit euch feiern und tischen dieses Mal umso spektakulärer auf! Der Eröffnungsabend wird vom queeren Filmklassiker der 90er The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert im Zebra Kino gerahmt, und mit einem warmen Gefühl im Bauch, einem Prosecco in der Hand und den Hits des Films im Ohr geht es dann finally zum Tanzen rüber in den Kulturladen. Djane Beauvoirista und DJ Psychosoular warten dort mit einem wilden musikalischen Potpourri aus Party-Classics, (feministischem) Pop sowie 60s und 70s Soul, Funk und R’n’b auf euch und lassen euch die grandiosen Performances aus „Priscilla“ wie automatisch nachtanzen. Also werft euch in Schale, schnappt euch ‘nen Sektchen und los geht’s – auf eine glitzernde Nacht!

 

 

AUS 1994; 111 Min.; R: Stephan Elliott; mit: Hugo Weaving, Guy Pearce, Terence Stamp u.a.

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln

FSK 16

Spieltermine: Fr., 24.03.17, 21:45 Uhr

Karten können hier via Formular reserviert werden.

In Kooperation mit dem Kulturladen Konstanz e.V.

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