Coming Out ist unser Film der 80er Jahre. Er entpuppt sich – betrachtet man seinen Produktions- und Aufführungskontext – als Zeitzeugen-Dokument schlechthin. So ist Coming Out nicht nur der erste und einzige Schwulenfilm der DDR. Er ist auch der Letzte. Denn der Film wurde am 9. November 1989 im Ostberliner Kino International uraufgeführt und ist somit Zeitzeuge des Falls der Berliner Mauer. Wir setzen nun noch einen drauf und führen den Filmklassiker im Original in 35mm vor.

Ost-Berlin, 1989: Der Lehrer Philipp Klarmann (Matthias Freihof) trifft durch seine Kollegin und Partnerin Tanja (Dagmar Manzel) seine Jugendliebe Redford (Axel Wandtke) wieder. Die Begegnung mit Redford ruft verdrängte Sehnsüchte hervor. Er flüchtet ‚in eine Kneipe und trinkt, um alles runter zu schlucken, weil er merkt, was mit ihm los ist‘ – so das wohl bekannteste Filmzitat. An diesem Abend begegnet er Matthias (Dirk Kummer) und, wie es der Zufall oder der Film eben so will, sehen sich die beiden wieder und kommen sich näher. Doch Philipp fällt es nicht einfach, seine Wünsche zuzulassen…

Die Geschichte von Philipps Coming Out wird im Film über das Zusammentreffen von Offensichtlichkeiten und Unaussprechlichkeiten verhandelt. Was vor 28 Jahren in einem Staat, der schon lange nicht mehr existiert, für viele Homosexuelle ein wichtiges Thema war, ist auch heute aktueller denn je. Von und in der Öffentlichkeit werden LGBTIQ*-Menschen zur sexuellen (Selbst- oder Fremd-)Verortung ermutigt, aber auch gedrängt. Zur persönlichen Selbstbestimmung gilt das Outing jedoch oft als entscheidender Schritt. Coming Out wird somit, nicht nur durch seine historischen Bezüge, zum Dokument seiner und, wie sich zeigt, auch unserer Zeit.

(Rezension von Rebecca Puchta)

 

 

DDR 1989; 113 Min.; R.: Heiner Carow; mit: Matthias Freihof, Dagman Manzel, Axel Wandtke, Dirk Kummer u.a.

Deutsche Originalversion mit englischen Untertiteln auf 35 mm

FSK 12

Spieltermine: So., 26.03.17, 16:00 Uhr

Karten können hier via Formular reserviert werden.

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